Wissenschaftler haben ein Ei einer prähistorischen Schildkröte mit einem darin konservierten Embryo gefunden
Wissenschaftler haben ein Ei einer prähistorischen Schildkröte mit einem darin konservierten Embryo gefunden
Anonim

Ein internationales Team von Wissenschaftlern aus Kanada und China präsentierte die Ergebnisse einer Studie zu einem versteinerten Schildkrötenei aus der Kreidezeit. Ein solches Objekt ist an sich schon sehr selten, da die zerbrechliche Hülle die Zeit nicht überdauert. Besonders einzigartig ist jedoch, dass im gut erhaltenen Ei ein versteinerter Embryo verblieb.

Der Fund aus dem Jahr 2018 wurde von einem Bauern aus der chinesischen Provinz Henan gemacht. Beim Ausgraben des Bodens stieß er auf Steine, die ziemlich ungewöhnlich aussahen, und beschloss, sie Wissenschaftlern zu zeigen. Paläontologen erkannten die "Steine" sofort als Eier, aber diese Fossilien, die in Größe und Form Billardkugeln ähneln, waren anders als alle Dinosaurier-Ei, die sie zuvor gesehen hatten.

Im Zuge der Forschung wurde festgestellt, dass es sich um Schildkröteneier handelt, die vor 66-145 Millionen Jahren gelegt wurden. Das Tier gehörte zur ausgestorbenen Gruppe der Nanhsiungchelyids-Schildkröten. Es ist bekannt, dass diese Reptilien gigantisch groß waren. Einige ihrer Fossilien stehen Wissenschaftlern bereits zur Verfügung. Die Länge der Schale der Nanhsiungchelyiden betrug durchschnittlich 1,5 Meter.

Paläontologen haben fast keine Möglichkeit, die Embryonen prähistorischer Schildkröten zu untersuchen: Auch wenn die Panzer über Jahrhunderte bleiben, kann das empfindliche Gewebe des Embryos dieser Herausforderung nicht gewachsen sein. Der Bauernfund ist das einzige Exemplar, das als nahezu perfekt bezeichnet werden kann. Auch die restlichen Eier, die gleichzeitig gelegt wurden, brachen mit der Zeit zusammen.

Wissenschaftler haben das Ei mit einer Mikrocomputertomographie gescannt, die es Ihnen ermöglicht, unter die Schale zu schauen, ohne ihre Integrität brechen zu müssen. Darin befand sich ein "Knäusel verstreuter Knochen". Das Team rekonstruierte jeden Knochen dreidimensional und modellierte dann ein winziges Schildkrötenskelett.

Im Allgemeinen ist der Embryo modernen Schildkröten "auffallend ähnlich". Auch die flachen Rippen des Embryos verhärteten und dehnten sich beim Wachsen aus, um die Grundstruktur des zukünftigen Panzers zu bilden. Es gab jedoch auch einige Schlüsselmerkmale, die bei der Identifizierung der Art halfen. Insbesondere haben alle Nanhsiungchelyiden einen charakteristischen quadratischen Oberkiefer mit einer gezackten Hinterkante.

Das ungewöhnlichste Merkmal war die Stärke der Schale. Bei allen bekannten Schildkröten ist die Dicke, obwohl sie je nach Art unterschiedlich ist, normalerweise nicht stärker als Papier. Dabei stellte sich heraus, dass die 2 mm dicke Schale viermal massiver war als die der Eier des größten modernen Riesen, der Galapagos-Schildkröte.

Dafür gibt es keine Erklärung: Aus Sicht der Naturgesetze kann dies sogar als unnötige Vorsichtsmaßnahme bezeichnet werden: Das Reptil verbraucht zusätzliche Ressourcen, um eine zu dichte Schale zu bilden, und es wird für das Baby schwieriger, herauszukommen davon. Paläontologen spekulieren, dass die erhöhte Härte möglicherweise eine Reaktion auf ein trockenes Klima war und den Flüssigkeitsfluss aus dem Ei begrenzte.

Die Tatsache, dass die Nanhsiungchelyiden an Land lebten und nisten, könnte der Grund für ihren Tod sein: Diese Gruppe starb vor etwa 66 Millionen Jahren gleichzeitig mit allen Nicht-Vogel-Dinosauriern aus, als ein kolossaler Asteroid auf die Erde stürzte. Gleichzeitig überlebten die Flussverwandten der Nanhsiungchelyiden die Katastrophe, indem sie sich unter Wasser versteckten. Darüber hinaus könnte die Ernährung beim Aussterben der Gruppe eine Rolle spielen: Diese Schildkröten fraßen ausschließlich von Pflanzen, und nach dem Fall des Asteroiden wurde ihre Zahl deutlich geringer.

Die Erforschung des einzigartigen Funds geht weiter, und die Wissenschaftler hoffen, mehr über die Evolution der Schildkröten zu erfahren.

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